Warum muss ich Medikamente nehmen und wenn ja, was für welche sind das?

Das „Warum“ hat für Euch Dr. Michels genauer erklärt, der uns als Kinder-Rheumatologe im Kuratorium der Deutschen Kinderrheuma-Stiftung unterstützt. Den Beitrag könnt Ihr auch in der Broschüre: „Kinderrheuma- wir können was tun!“ nachlesen. Welche Medikamente wie eingesetzt werden, wird in verschiedenen Medikamenten-Listen beschrieben, die von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie zusammengestellt worden sind.

Medikamente werden bei rheumatischen Erkrankungen hauptsächlich aus drei Gründen eingesetzt:

 

  • Verhinderung von bleibenden Gelenk- und Organschäden und von weiteren Erkrankungskomplikationen
  • Linderung der Beschwerden
  • Abkürzung, möglichst Beendigung der Grundkrankheit.

 

Nur bei einigen Sonderformen kindlich-rheumatischer Arthritiden (=  Gelenkentzündungen) kennen wir die Erkrankungsursache und verfügen deshalb über eine ursächlich wirkende Therapie, z.B. Antibiotikagabe bei borrelienbedingter Arthritis. Die Ursache(n) der rheumatischen Erkrankungen im engeren Sinne, wie die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), kennen wir bislang jedoch nicht. Für die JIA wurde 1999 deshalb international die Bezeichnung juvenile idiopathische Arthritis (JIA) vorgeschlagen, wobei „idiopathisch“ so viel bedeutet wie „Ursache unbekannt“. Auch wenn die JIA also bislang nicht ursächlich behandelt werden kann, so verfügen wir doch über eine große Auswahl wirksamer Medikamente. So kann für jedes betroffene Kind in aller Regel ein befriedigender Weg gefunden werden. Die medikamentöse Behandlung ist für die meisten Kinder notwendig, u.a. weil ohne Medikamente die Krankengymnastik wegen der Schmerzen nicht befriedigend durchgeführt werden könnte, sich Schmerz- und entzündungsbedingte Gelenkfehlhaltungen verstärken und zu Fehlstellungen führen würden, insbesondere würde sich das Risiko entzündungsbedingter Gelenkzerstörungen und Organschäden erhöhen.

 

Medikamente weisen erwünschte (hier: die angestrebte antirheumatische Wirkung) und unerwünschte Wirkungen (oft als „Nebenwirkungen“ bezeichnet) auf. Mit Recht sind die Eltern und auch die Kinder deshalb oftmals beunruhigt. die Beipackzettel der Medikamentenpackungen, besorgte Nachfragen von Verwandten, Freunden, Nachbarn oder auch des Apothekers („Muss Ihr Kind tatsächlich diese starken Medikamente einnehmen?“) verstärken nicht selten diese Bedenken. Hinzu kommt die in aller Regel lange Dauer der Behandlung. So verwundert es nicht, wenn alle anderen therapeutischen Maßnahmen, wie Krankengymnastik, Ergotherapie oder Hilfsmittelversorgung, gern angenommen werden, der medikamentösen Behandlung oftmals jedoch zunächst große Vorbehalte entgegengebracht werden.

 

Wesentliche Voraussetzungen für eine gute, möglichst nebenwirkungsarme medikamentöse Therapie sind:

  • Auswahl der Präparate und medikamentöse Einstellung durch einen kinderrheumatologisch erfahrenen Arzt. Die Behandlung durch den Spezialisten soll gewährleisten, dass die Medikamente immer fachgerecht eingesetzt werden und ihre Auswahl nach dem neuesten Stand des medizinischen Wissens erfolgt.
  • Aufklärung der Eltern und, falls vom Alter her möglich, auch des Kindes, über die Wirkungsweise einschließlich der unerwünschten Wirkungen der verwendeten Medikamente. Eltern und Patient sollen dabei auch erfahren, dass schwere oder bleibende Medikamentenschäden sogar bei jahrelanger Einnahme durch die regelmäßigen ärztlichen Kontrollen fast immer zu verhindern sind (s.u.).
  • Eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Eltern/Kind, dem Kinderrheumatologen und dem Kinder- bzw. Hausarzt. Die Ärzte sind in der Beurteilung von Wirkung und Nebenwirkungen auf die tägliche Beobachtung der Kinder durch die Eltern angewiesen. Den Eltern kommt die wichtige Aufgabe zu, dem Kind die Medikamente regelmäßig nach Verordnungsplan zu geben, auf erwünschte und unerwünschte Wirkungen zu achten und dem Arzt Auffälligkeiten umgehend mitzuteilen.

 

Durch die so gewährleistete fachgerechte Anwendung der medikamentösen Therapie lassen sich schwere unerwünschte Wirkungen in aller Regel vermeiden, größere Probleme bzw. bleibende Medikamentenschäden sind selten. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die exakte Einnahme zu den empfohlenen Tageszeiten und die regelmäßigen ärztlichen Kontrollen einschließlich Laborkontrollen (Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Entzündungswerte, Urinstatus). Wir legen deshalb besonderen Wert darauf, dass Eltern und Kinder genau über Einnahmezeiten, Dosierungen, mögliche unerwünschte Wirkungen und notwendige ärztliche Kontrollen mittels eines Verordnungsplanes auch schriftlich informiert werden. Dabei werden sie gleichzeitig darüber aufgeklärt, wie sie sich in besonderen Situationen, wie z.B. Urlaubsreisen, bei zwischenzeitlich auftretenden Windpocken oder Operationen verhalten sollen.

 

H. Michels
(Stand: September 2009)

Welche Medikamente gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten, die bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden. Die Kommission Pharmakotherapie der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie hat spezielle Bögen mit Hinweisen zu Wirkweisen, Anwendungsgebieten und Dosierungsempfehlungen entwickelt. Diese werden regelmäßig überarbeitet und können aufgelistet für den jeweiligen Wirkstoff (Medikamentenname) nachgelesen werden.

 

Die Medikamente, die rheumakranke Kinder und Jugendliche erhalten, werden in drei Gruppen unterteilt:

 

  1. Nichtsteroidale Antirheumatika: Dieses sind Nicht-Cortisonhaltige Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung, die bei allen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden.


  2. Cortisonhaltige Medikamente: Dieses sind starke entzündungshemmende Medikamente, die gezielt bei verschiedenen rheumatischen Erkrankungen  eingesetzt werden.


  3. Basistherapiemittel: Dieses sind Langzeit-Medikamente (Immunsuppressiva, Biologica), die bei chronischen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden, um das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie sollen die Krankheit zur Ruhe bringen und sie überwinden helfen.

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